Gewiefte Analytiker von Zusammenhängen haben es längst erfasst: Die Wanderungen im Land der Aare haben immer bescheidenere Bezüge zur Aare und ihren Nebengewässern. Mit etwas bösem Willen könnte man durchaus von Alibi-Anlässen sprechen, weil es dabei weniger ums Wasser als – einfach so – ums Wandern geht.
Wer allerdings denkt, dieses Thema würde sich früher oder später sowieso erledigen, weil das Land der Aare und ihrer Zuflüsse in absehbarer Zeit von den Aaronauten endgültig abgegrast und kahlgerupft sei, unterschätzt entweder a) die Dimension dieses Einzugsgebiets oder aber b) mein Potenzial im Erfinden immer neuer Wanderausreden. Im Klartext: Es gibt stets irgendwo ein Bächlein, das irgendwann in die Aare fliesst und somit als Routenbegründung herhalten kann.
Ein besonders prägnantes Beispiel für diese infame Praxis erlebten die Aaronauten am 18. November. Traktandiert war diesmal der Sundgraben. Er entspringt in der Südostflanke des Niederhorns als Bündel von mageren Rinnsalen, die sich nach und nach zu einem richtigen Bach zusammenschliessen und schliesslich nahe der Mündung in den Thunersee zu einem bisweilen reissenden und deshalb brandgefährlichen Wildbach mutieren. Die Wanderroute war allerdings aus verschiedenen Gründen (Topografie, Zumutbarkeitsgrenze hinsichtlich Gesamtaufstieg, verpflegungstechnische Sachzwänge) so gewählt, dass sie das Gewässer grossräumig umrundete. Ergebnis: Vom Sundgraben sah das Expeditionskorps null Komma nichts.
Es war ohnehin trocken, nicht nur wegen des monatelangen Regenmangels, sondern auch, weil wir Karstgelände durchquerten, in dem jegliches Regenwasser sogleich von der Erde verschlungen wird. Die einzige Form von Wasser, der wir begegneten, war die Nebeldecke, die über den Tälern zu unseren Füssen lag und in die wir am Schluss der Tour schliesslich selber eintauchten.







