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Im Lockdown

Es ist ein ausserordentlich schräger Film, der gegenwärtig in unserer Realität abläuft. Wirtschaft und Gesellschaft sind auf ein absolut notwendiges Minimum heruntergefahren – die Coronavirus-Pandemie hat den Globus fest im Griff. Gleichzeitig herrscht hierzulande seit Wochen das schönste Frühlingswetter, das man sich denken kann.

Was spricht dagegen, zwischen Homeoffice und Onlineshopping eine zünftige Wanderung zu unternehmen? Ganz einfach dies: Viele Menschen auf der ganzen Welt erfahren derzeit grosses Leid, auch in der Schweiz ist die Lage buchstäblich ausserordentlich. Gewiss, die Züge fahren, man kann auch einfach ins Auto sitzen und ins Berner Oberland, ins Mittelland oder in den Jura fahren und dort durch die Gegend strolchen – es ist nicht verboten, sondern bloss irgendwie verantwortungslos und auch ein bisschen asozial.

Die nächste Wanderung im Land der Aare wäre zwar erst für den 10. Mai vorgesehen gewesen, doch weil nicht damit zu rechnen ist, dass der Lockdown bis dahin schon substanziell gelockert werden kann, entschloss ich mich, die Absage bereits jetzt vorzunehmen und stattdessen ein Alternativprogramm vorzuschlagen. Der Prachtsfrühling lässt sich nämlich bestens auch in der nahen Umgebung geniessen. Die Aare-Wanderungen der letzten fünf Jahre haben allen, die dabei waren, deutlich gezeigt: Aare ist überall, in jedem Fluss und jedem Bächlein der Schweiz – und also auch vor der Haustür.

Ich habe am Ostersonntag, 12. April 2020, einen Spaziergang am Brienzersee unternommen (er liegt fast vor meiner Haustür und ist natürlich ebenfalls Teil der Aare), habe dabei an meine Aare-Wanderfreunde gedacht und mir vorgestellt, dass auch sie vielleicht gerade einen kleinen Osterbummel unternehmen, der sie womöglich ebenfalls irgendwo ans Wasser führt. Per Newsletter habe ich sie vorgängig darum gebeten, von ihrem Ausflug ein Erinnerungsbild zu schiessen und mir zu schicken.

Die eingegangene Auswahl ist zwar nicht besonders gross (die überwiegende Mehrheit der Aaronauten hat das unerträglich sonnige Osterwochenende vielleicht lieber im Keller verbracht oder war mit dem Einkaufen von Klopapier beschäftigt), aber in ihrer Vielfalt wundervoll reichhaltig. Sie führt einmal mehr die schlagkräftige Universalität der Aare und ihrer Nebenflüsse, -bäche und -rinnsale vor Augen.