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Chüechli und Söili im Schenkenbergtal

Ihre grössten Zuflüsse erntet die Aare, nachdem sie den Kanton Bern verlassen hat. Die Geometrie ist allerdings ziemlich einseitig: Fast alles Wasser im Solothurnischen und im Aargau fliesst ihr von rechts her zu. Das liegt in der Natur der Dinge (bzw. der Topografie). Umso interessanter sind da die Ausnahmen. Einer von ihnen schenkten die Aaronauten am 16. Dezember 2018 ihre Aufmerksamkeit: Sie erkundeten das Einzugsgebiet des Talbachs, der das Schenkenbergtal von der Staffelegg im Westen bis zur Mündung in die Aare bei Schinznach durchfliesst.

Der Auftakt war pannengeprägt. Der Zug von Bern nach Brugg fuhr mit rasant fortschreitender Verspätung, so dass sich das Personal entschloss, in Aarau den Kehricht (Fahrgäste nach Brugg und Baden) zu entsorgen und den Zug gleich direkt nach Zürich fahren zu lassen. Von ferne dirigierte ich meine Wandergspänli, die sich nach und nach bei mir meldeten (es kam ihnen verdächtig vor, mich im Bus nach Schinznach nicht zu sehen), aufeinander zu, denn sie kannten sich nicht alle, und empfahl ihnen, ein wenig Wirtschaftsförderung zu praktizieren.

Der Hirzel in Schinznach Dorf wurde zur Zufluchtsstätte unseres Vertrauens – und erwies sich als Glücksfall, denn die Wirtin servierte nicht nur Kaffee und Tee, sondern vor lauter Erbarmen gleich auch noch ofenfrische Rüebli-Baumnuss-Törtchen. Der verspätet eintreffende Nicht-Wanderleiter kam ebenfalls in den Genuss davon und gelangte zur Feststellung, der von den SBB gebaute Mist sei auf diese Weise doch wunderbar kompensiert worden.

Das zweite Highlight des Tages war der unerwartete Sonnenschein am Schenkenberg, das dritte das Weingärtli in Thalheim. Ja genau, wir brachen wieder einmal Regeln und kehrten ein. Die Beiz bestach nicht unbedingt durch herausragende kulinarische Qualitäten (die Pommes-Frites-Sünde, die wir uns alle einhellig genehmigten, war allerdings lecker), sondern durch ein schräges Interieur im rückwärtigen Bereich und einen etwas schräg ideologisierten Wirt. Im Pissoir seien früher die Söili geschlachtet worden, sagte er, «aber seit wir EU-Recht übernommen haben, darf man das nicht mehr».


Und hier noch eine kleine Hörprobe, wie es klingt, wenn Aaronauten im Winter unterwegs sind: